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29.04.: Trends und Perspektiven im Lebensmittelhan

Auch die ANUGA 2015 ist als weltweite Leitmesse wieder das Trendforum für die gesamte Nahrungsmittelbranche. Als Gründer und Mitveranstalter ist der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) auch dieses Mal wieder in Köln dabei. Der Verband vertritt die Interessen des deutschen Lebensmittelhandels in allen lebensmittelfachlichen und lebensmittelpolitischen Fragen. Zu diesem Zweck betreibt der BVLH Büros am Sitz der deutschen Bundesregierung in Berlin und bei den europäischen Institutionen in Brüssel.

Volkswirtschaftliche & konjunkturelle Rahmendaten

Die ANUGA 2015 findet zu einer Zeit statt, in der die Weltkonjunktur langsam wieder anzieht. Das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel sagt in seiner aktuellen Konjunkturprognose ein Weltwirtschaftswachstum von 3,7 Prozent vorher. 2016 soll dieser Anstieg vier Prozent betragen. Motoren dieser Entwicklung sind vor allem die USA, Japan, die Staaten des Euroraums und Großbritannien. Die Forscher rechnen außerdem mit einer weiterhin niedrigen Inflationsrate und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit in den meisten Volkswirtschaften. Trotz der insgesamt guten Prognosen warnen die Konjunkturforscher, dass die Weltwirtschaft für Störungen anfällig bleibt.

Die aktuellen volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten für die Europäische Union und den Euroraum unterstützen die positiven Konjunkturerwartungen. 2014 ist das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum um 0,9 Prozent gestiegen, in der EU sogar um 1,3 Prozent. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte haben zu diesem Wachstum stark beigetragen. Sie stiegen im vierten Quartal 2014 im Euroraum um 0,4 Prozent und in der gesamten EU um 0,5 Prozent. Für das Jahr 2015 erwarten die Konjunkturforscher des Instituts für Weltwirtschaft einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im Euroraum von 1,3 Prozent. 2016 soll das Wachstum sogar 1,7 Prozent betragen.

Deutschland hat maßgeblichen Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung der EU. Und die Aussichten für die größte Volkswirtschaft Europas sind sehr positiv. Das Institut für Weltwirtschaft erwartet, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland 2015 um 1,8 Prozent zunimmt. 2016 soll der Anstieg mit 2 Prozent noch größer ausfallen. Auch in Deutschland sind die Konsumausgaben der privaten Haushalte ein wichtiger Faktor für den konjunkturellen Aufschwung. Laut Prognose sollen sie in diesem Jahr um 2,7 Prozent steigen. Das wäre der höchste Wert seit mehr als 20 Jahren.

Steigende Reallöhne stützen privaten Konsum

Nach Ansicht vieler Experten ist auch die aktuell niedrige Inflationsrate ein Grund dafür, dass die Verbraucher in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas recht optimistisch in die Zukunft blicken. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stellt in ihrem aktuellen Bericht zur Entwicklung des Konsumklimas fest, dass die Deutschen mit steigenden Realeinkommen rechnen. Grund dafür sind vor allem niedrige Preise und ein stabiler Arbeitsmarkt. Dieses zusätzliche Geld geben die Verbraucher aus.

Auch in der EU sind die Verbraucher wieder optimistisch, dass die Wirtschaftskrise überwunden werden kann. Für Groß Britannien kommt der aktuelle Konsumklimaindex der GfK auf den höchsten Wert, der seit 16 Jahren bei den Konjunkturerwartungen gemessen wurde. Die Spanier blicken so positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes wie seit 14 Jahren nicht mehr. Eine grundsätzliche Trendwende bei den Konjunkturaussichten beobachten die Konsumklimaforscher auch bei den italienischen Verbrauchern.

Nachhaltige Produkte sind weiterhin gefragt

Die Chancen stehen gut, dass die Verbraucher das zur Verfügung stehende Geld nicht nur in Grundnahrungsmittel investieren, sondern dafür auch in stärkerem Umfang Qualitätsprodukte kaufen. Hier spielt die anhaltende Debatte um die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln nach wie vor eine wichtige Rolle.

Laut einer aktuellen Studie der Otto Group ist Konsumethik in der gesellschaftlichen und ökonomischen Lebensrealität angekommen. Laut dieser Studie kauft jeder zweite Verbraucher in Deutschland heute häufig Lebensmittel, die biologisch hergestellt, regional produziert oder fair gehandelt werden. Vor sechs Jahren taten das gerade einmal ein Viertel der Befragten.

Das nach wie vor steigende Interesse an solchen Produkten kommt auch in der Entwicklung der Absatzzahlen zum Ausdruck. Die bedeutendste Gruppe bei den ethisch korrekt hergestellten Produkten sind nach wie vor die Bio-Lebensmittel. Weltweit sind die USA der größte Bio-Markt. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2013 wurde dort ein Umsatz von 24,3 Milliarden Euro erzielt. Auf Platz zwei folgt die EU mit 22,2 Milliarden Euro Umsatz. Die meisten Bio-Produkte in Europa kaufen die Deutschen (7,5 Mrd. EUR Umsatz). Damit liegt Deutschland hinter den USA auf Platz zwei, gefolgt von Frankreich (4,4 Mrd. EUR). Mit einem Umsatz von 2,43 Mrd. Euro folgt auf dem vierten Platz bereits China.

Auch fair gehandelte Produkte werden mehr und mehr gekauft. Das weltweite Umsatzvolumen liegt aktuell bei mehr als 5,5 Milliarden Euro. Laut der Organisation Transfair werden allein in Großbritannien fair gehandelte Produkte im Wert von 2 Milliarden Euro gehandelt. Weitere wichtige Absatzmärkte sind Deutschland, Schweiz, USA, Frankreich und Schweden.

Der Trend zu nachhaltigen Lebensmitteln wird auch durch die Sorge vieler Verbraucher um die eigene Gesundheit getrieben. Zu diesem Ergebnis kommt der „Global Health & Wellness Survey„ des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Fast jeder zweite der weltweit befragten Verbraucher hält sich demnach für übergewichtig. Von denjenigen die abnehmen wollen, gaben 75 Prozent an, ihre Ernährung umzustellen. Das bedeutet konkret: 65 Prozent wollen weniger Fett zu sich nehmen, 62 Prozent weniger Zucker und 57 Prozent wollen mehr frische und unverarbeitete Lebensmittel essen.

Für 35 Prozent der weltweit befragten Verbraucher sind die nachhaltige Erzeugung und der faire Handel sehr wichtige Einkaufskriterien für Lebensmittel. Das gilt in noch stärkerem Maß für Produkte, die frei von gentechnisch veränderten Organismen sind. Weltweit gaben 43 Prozent der Verbraucher, an beim Einkauf großen Wert drauf zu legen. Die größten Gentechnik-Skeptiker leben in Europa. Für 47 Prozent der europäischen Verbraucher sind GVO-freie Produkte ein sehr wichtiges Einkaufkriterium.

Lebensmittelhandel engagiert sich für Tierwohl

In Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas ist in den letzten zwei Jahren vor allem ein ethisches Konsumkriterium besonders in den Focus gerückt: Das Tierwohl. Aufgrund einer intensiven Diskussion in den Medien machen sich die Verbraucher mehr und mehr Gedanken über die Haltung von Nutztieren wie Schweinen und Hühnern. Aus diesem Grund hat der deutsche Lebensmittelhandel mit Partnern aus der Landwirtschaft und der Fleischverarbeitung in diesem Jahr die „Initiative Tierwohl„ gestartet. Pro Jahr zahlt der deutsche Lebensmittelhandel 85 Millionen Euro in den Tierwohlfonds ein. Dieses Geld wird an Landwirte bezahlt, die damit die Haltungsbedingungen ihrer Tiere verbessern.

Qualitätswettbewerb im Lebensmittelhandel gewinnt an Bedeutung

Für den Lebensmittelhandel hat der Ausbau des Angebots qualitativ hochwertiger Produkte mittlerweile hohe unternehmensstrategische Bedeutung. Laut dem Marktforschungsinstitut Planet Retail haben die 20 weltweit größten Unternehmen 2012 zusammen einen Bruttoumsatz von circa 2,1 Billionen US-Dollar erwirtschaftet. 2017 sollen es mehr als 2,5 Billionen US-Dollar sein. Für die 5 größten Lebensmittelhandelsunternehmen Deutschlands prognostiziert Planet Retail für diesen Zeitraum ein Umsatzwachstum von gut 20 Prozent. Rechnet man die weltweiten Umsätze der Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl, der Aldi-Gruppe, der Metro-Gruppe sowie von Rewe und Edeka zusammen, ergibt sich eine Summe von knapp 482 Milliarden US-Dollar.

Zumindest in Deutschland wird dieses Wachstum voraussichtlich nicht dadurch erzielt, dass die Menge der verkauften Lebensmittel steigt – im Gegenteil. Laut Gesellschaft für Konsumforschung gehen die deutschen Verbraucher bereits seit einigen Jahren weniger oft zum Einkaufen in die Lebensmittelgeschäfte und auch der Lebensmittelabsatz im stationären Handel geht zurück. Die Kunden kaufen immer weniger Grundnahrungsmittel ein und bereiten immer weniger Speisen in den heimischen Küchen selbst zu. Dagegen steigt der Außer-Haus-Verzehr von Lebensmitteln. So haben die Catering-Unternehmen in Deutschland ihren Umsatz von 2003 bis 2013 um 23 Prozent auf netto 6,9 Milliarden Euro gesteigert.

Convenience-Anteil steigt

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr. Immer mehr Frauen gehen Vollzeit arbeiten. Immer mehr Kinder werden in Kindertagesstätten betreut. Die Zeit, die man im Beruf verbringt und die man für den Arbeitsweg aufwenden muss, steigt ebenfalls. Das führt dazu, dass mehr Menschen ihre Hauptmahlzeiten nicht mehr zuhause einnehmen. Dadurch gehen auch die Fähigkeiten zurück, Mahlzeiten selbst zubereiten zu können. Einfach gesagt: Menschen, die viel arbeiten und unterwegs sind, verlernen das Kochen. Der Gegentrend zu dieser Entwicklung lautet: Den Zeitverlust gleichen die Verbraucher aus, indem sie sich zuhause etwas gönnen. Wer privat noch kocht, setzt immer mehr auf hochwertige aber leicht zu kochende Zutaten.

Der Lebensmittelhandel bedient diesen Trend mit zwei Strategien. Er setzt auf Produktqualität und vorverarbeitete Produkte. Bei der Qualität punkten die Supermärke vor allem mit der großen Auswahl an frischen und nachhaltigen Produkten, mit hochwertiger Ladeneinrichtung und mit der Beratung ihrer Kunden durch Fachpersonal. Aber auch die Discounter haben hier aufgeholt. Sie haben das Angebot von frischem Obst und Gemüse, von Bio- und Regionalprodukten sowie von fair gehandelten Produkten ausgebaut. Sie bieten frisch aufgebackene Brot- und Backwaren an und modernisieren ihre Geschäfte.

Handelsmarken punkten bei Qualität und Preis

Eine wichtige Rolle bei der Qualitätsstrategie spielen auch die Handelsmarken der Unternehmen. Laut Private Label Manufacturer Association hat sich der Marktanteil von Handelsmarken beim Produktabsatz in Deutschland von 2010 bis 2013 um sieben auf 44 Prozent erhöht. Dieser Zuwachs hängt vor allem damit zusammen, dass die Handelsmarken besser geworden sind. Laut einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens metrixLAB in Zusammenarbeit mit der Lebensmittel Zeitung aus dem Jahr 2014 sind neun von zehn Kunden des Lebensmittelhandels in Deutschland der Auffassung, dass Handelsmarken bei der Qualität und der Aufmachung mittlerweile das Niveau von Markenprodukten erreicht haben.

Die Eigenmarken der Supermarktketten können vor allem mit Qualität punkten, die der großen Discounter mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Besonders die hochwertigen Discounter-Produkte aus den „Special Editions„ an Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern betrachten die Kunden als ansprechend, qualitativ hochwertig und eine willkommene Abwechslung zum normalen Sortiment.

Restaurant-Inseln zur Differenzierung

Die Qualitätsstrategie der Discounter hat dazu geführt, dass sie sich dem Geschäftsmodell der Supermärkte immer stärker angenähert haben. Um sich im harten Wettbewerb um die Kunden weiterhin zu unterscheiden, profilieren sich die Supermärkte seit einigen Jahren daher noch stärker über die Qualität. Dazu gehört vor allem die Entwicklung hochwertiger Gastronomiekonzepte. Weil die Verbraucher ihre Mahlzeiten immer öfter unterwegs einnehmen, installieren mehr und mehr Supermarkbetreiber Restaurant-Inseln in ihre Geschäfte. Hier werden den Kunden Frühstücks- und Mittagsgerichte angeboten. Dabei handelt es sich teilweise um hochwertige gastronomische Angebote. So werden die Speisen in offenen Küchen vor den Augen der Kunden frisch zubereitet. Daneben versuchen die Supermarktbetreiber die Kunden auch über das Angebot von Kochkursen an sich zu binden.

Zukunftstrend Lebensmittel-Onlinehandel

Perspektivisch wird der Lebensmittelhandel in Deutschland, nicht nur dafür sorgen müssen, durch ein hochwertiges Angebot und eine wohnortnahe Versorgung die Kunden wieder häufiger in die Geschäfte zu locken. Die Unternehmen werden auch stärker die Verbraucher mit Lebensmitteln beliefern. Der Lebensmittel-Onlinehandel ist in Deutschland zwar noch ausbaufähig, verschlafen dürfen die Unternehmen diesen Trend jedoch nicht. Laut einer aktuellen Erhebung der Unternehmensberatung A.T. Kearney und der Universität Köln haben 2012 82 Prozent der Verbraucher noch nie Lebensmittel im Internet bestellt. 2014 ist dieser Anteil auf 62 Prozent gefallen. Der Anteil derjenigen, die es einmal probiert haben, ist von acht auf 13 Prozent gestiegen. Vier bis acht Mal kauften 2014 sieben Prozent der Verbraucher Lebensmittel im Internet ein. 2012 lag diese Zahl noch bei einem Prozent.

Entsprechend niedrig liegt in Deutschland auch der Umsatz im Lebensmittel-Onlinehandel. So hat eine Gruppe von Unternehmen um den Internetanbieter Yahoo für 2013 einen Umsatz von 1,45 Milliarden Euro ermittelt. Für 2016 wird ein Umsatz von 2,5 Milliarden Euro prognostiziert. Auf anderen Märkten ist die Bedeutung des Lebensmittel-Onlinehandels bereits viel größer. Für Frankreich kommt die Yahoo-Berechnung auf einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. In Großbritannien wurden 7,8 Milliarden Euro umgesetzt und in den USA umgerechnet sogar 11,7 Milliarden Euro. Auch auf diesen Märkten wird der Umsatz im Lebensmittel-Onlinehandel laut Prognose kräftig wachsen: in Frankreich auf 10,6 Milliarden, im Vereinigten Königreich auf 13,7 Milliarden und in den USA umgerechnet auf 16,5 Milliarden Euro.

Lebensmittelinformationsverordnung regelt Kennzeichnung neu

Zum Schluss noch eine Information über eine wichtige Gesetzesänderung im Lebensmittelrecht der Europäischen Union. Seit 13. Dezember 2014 gilt die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Mit diesem Gesetz wurde die Kennzeichnung von Lebensmitteln komplett überarbeitet. Hier einige Beispiele: Es wurde eine Mindestschriftgröße eingeführt, um die Lesbarkeit des Lebensmitteletiketts zu verbessern. Allergene, die im Produkt enthalten sein können, müssen im Zutatenverzeichnis hervorgehoben werden. Unverarbeitetes und vorverpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen-, und Geflügelfleisch muss mit einer Herkunftsangabe versehen sein. Diese und weitere neuen Kennzeichnungsregeln gelten natürlich auch für Produkte, die in die EU eingeführt werden.

(Quelle: Pressemitteilung des Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH))