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01.06.: Konzerte neu im Vorverkauf

Und auch am Anfang dieser Woche gibt es wieder neue Konzerte im Vorverkauf: The Wombats sind im November 2015 in Köln, Seether im August. Dazu kommen die Konzerttermine von "Mamas Gun", Admiral Fallow, Lady Lamb, SOAK, UFO, Slaves und Rhonda im Laufe des Jahres 2015. Alle Termine finden in Köln statt, den Kartenvorverkauf gibt es - wie immer - direkt über unseren Partner CTS Eventim.

The Wombats im November 2015 in Köln

Im März waren The Wombats bei uns auf ausgedehnter Tour, um erste Songs ihres neuen Albums „Glitterbug“ live vorzustellen. Das unübersetzbare und ambivalente Wortspiel des Titels – litterbug bedeutet in etwa Schmutzfink, ein glitterbug ist dann entsprechend einer, der überall Glanz verströmt – trifft die Musik der Briten ziemlich genau: Dieser energische Indie-Rock, der sich mit elektronischen Elementen verbindet, diese Verbindung zwischen lauter Gitarre und pluckerndem Keyboard schafft einen Sound, der genau zwischen den Polen dreckige Garage und Glamour im Club pulsiert. Insbesondere live war das deutlich zu hören und zu spüren. Neue Songs folgten alten Hits, Sänger Matthew Murphy wechselt immer wieder zwischen Saiten und Tasten hin und her, Bassist Tord Øverland-Knudsen rast wie ein Berserker über die Bühne und Drummer Dan Haggis trommelt einen schweißtreibenden Rhythmus, der die Fans auf den Beinen hält und tanzen lässt. Vom Opener „Your Body Is A Weapon“ bis zum umjubelten Ende wird der Druck hoch gehalten. „Die Laune bleibt auf hohem Level und steigert sich ohne Ende“, schreibt das Online-Magazin soundmag.de in seiner Review, „Zeit zum Ausruhen bleibt keine, der Sauerstoff in der Halle muss ausreichen, die dünne Luft darf erst am Ende aufgebraucht sein. Denn zu ,Lets Dance To Joy Division‘ können alle Energiereserven aufgebraucht werden, danach ist Schluss und das Publikum mit viel Musik gut versorgt.“ Mit anderen Worten: Die Live-Qualitäten der Wombats sind weiterhin über jeden Zweifel erhaben, und die neuen Songs stehen den alten Hits in nichts nach. Jetzt haben The Wombats bestätigt, dass sie nicht nur im Sommer auf Festival-Tour kommen, sondern im Herbst weiter Clubshows bei uns spielen werden. Weitere Ankündigungen werden folgen.

Seether im August 2015 in Köln

Foto: Marina Chavez

Nachdem die erste Singleauskopplung "Words As Weapons" im Juni bereits einen ersten Eindruck gegeben hat, veröffentlichen SEETHER am 4. Juli ihr langerwartetes, sechstes Studioalbum "Isolate And Medicate" auch in Deutschland. Das mehrfach mit Platin ausgezeichnete Trio um Sänger und Gitarrist Shaun Morgan arbeitete für dieses Album erneut mit dem Produzenten Brendan O'Brien (Pearl Jam, Bruce Springsteen) zusammen.

Seit ihrer Gründung 1999 avancierten SEETHER zu einer der erfolgreichsten Bands im Alternative Rock. Im Laufe ihrer Karriere verkauften Shaun Morgan, Dale Stewart und John Humphrey bisher über 4,5 Mio Alben, elf ihrer Singles schafften es bis auf Platz 1 der US Charts und das letztes Album "Holding On To Strings Better Left To Fray" stieg auf Anhieb auf Platz 2. 2011 wurde die Band, die ursprünglich aus Pretoria in Südafrika stammt, vom Billboard Magazine zum "Active Rock Artist of the Year" gewählt.

Nach Veröffentlichung ihres letzten Albums wollten Seether eine Veränderung und um möglichst wenig Ablenkung zu haben, baute Sänger Morgan sich in seinem Haus ein Refugium, um sich ausschließlich auf das Schreiben der Songs auf "Isolate And Medicate" konzentrieren zu können. Den ersten Feinschliff erhielten sie dann im Haus von Schlagzeuger John Humphreys, bevor man sich im Januar 2014 mit O'Brien ins Studio begab, und das Album innerhalb von 16 Tagen aufnahm.

Momentan ist die Band noch in Europa auf Tour und tritt am 10. Juni in Dresden und am 25. Juni in Hannover auf. Im November/Dezember 2014 kommen Seether dann für vier weitere Shows zurück nach Deutschland.

Mamas Gun im August 2015 in Köln

Cheap Hotel ist das dritte Album von Mamas Gun, der nach einem Album von Erykah Badu benannten Londoner Band, deren erste beiden Longplayer — Routest to Riches (2009) und The Life and Soul (2011) — sie in Japan und Südostasien zu Stars machte sowie ihnen begeisterte Kriaken in ihrer briaschen Heimat und ganz Europa bescherte. Cheap Hotel ist ein moderner Klassiker voll mit Retro-­Funkadelia, Sob-­Rock-­Arrangements und knackig-­‐süßem Pop’n’Soul, der sich in Sachen Produkaon vor den Beatles verneigt während sein Melodiegefühl und die pure, unverdorbene gute Laune, die dieses Album durchweht, an Stevie Wonder erinnert. Das Album ist eine freudesabende Sammlung großarager Songs — nichtsdestotrotz raten wir beim Hörgenuss zur Vorsicht: Diese Songs haben Widerhaken. Sie haben diese geniale Eigenschab, die nur den besten Popsongs zu eigen ist: Unter ihrer zuckersüßen Oberfläche verbergen sich durchaus kriasche Inhalte.

Mehr Spaß als mit Cheap Motel werdet ihr beim Musikhören so bald nicht wieder haben. Außerdem markiert das Album einen riesigen Schri> vorwärts in der fünkährigen Geschichte von Mamas Gun. Nicht, dass sie bisher keinen kreaaven und kommerziellen Erfolg gehabt hätten — ganz im Gegenteil. Was Sänger, Komponist und Bandkopf Andy Platts — dessen Falsettgesang nicht von ungefähr an Prince erinnert und der maßgeblich für das Bouquet an Ohrwurmmelodien verantwortlich ist — schon alles auf die Beine gestellt hat, reicht für mehrere Karrieren. Sein Vater arbeitete für Interpol, aber sta> in seine Fußstapfen zu treten und in Hongkong gegen Triaden-­‐Gangster zu kämpfen, studierte er an Paul McCartneys Liverpool Insatute of Performing Arts. Er gründete eine Band mit Steffan Halperin von den Klaxxons, spielte auf Corinne Bailey Raes Debüt‐Album, nahm an Songwriang-­‐Sessions mit Größen von Rod „Thriller“ Temperton über John Oats bis zu Jed Lieber (dem Sohn der Rock’n’Roll-­Legende Jerry Lieber) und Gil Scott-­Herons Sidekick Brian Jackson teil, und schrieb einen Nummer-­1-­Hit für den koreanischen Künstler und American-­‐Idol-­‐Semifinalisten John Park. Mamas Gun waren währenddessen auf Tour mit De La Soul, Raphael Saadiq und Taio Cruz. Ihr Debütalbum wurde in Los Angeles von Joseph Puig (Black Eyed Peas, U2, The Rolling Stones) gemischt und Album Nummer 2 von dem preisgekrönten schwedischen Studio-­Genie Mar2n Terefe (Jason Mraz, Mary J Blige) produziert. Oh, und sie waren 2009 der meistgespielte Act im japanischen Radio — vor Madonna.

Cheap Hotel war alles andere als eine schwere Geburt, vom sogenannten Dri>en-­‐Album-­‐Syndrom keine Spur. Und das, obwohl die Band mit dem 21-­‐jährigen Cameron Dawson einen neuen Bassisten anheuerte, der das bestehende Line-­‐up, bestehend aus Andy Pla>s (Vocals), Dave Oliver (Keyboards), Terry Lewis (Gitarre) und Jack Polli> (Drums), ergänzte. Laut Andy war die Band stärker am Songwriang-­‐Prozess beteiligt als bisher, weshalb es etwas länger als gewöhnlich dauerte, bis Cheap Hotel im Kasten war. „Wir wollten Cameron das Gefühl geben, dass das Material auch seins ist“, erklärt er. Mamas Gun hat sich von einer Band mit einem Hauptsongwriter in Richtung einer kreaaven Demokraae entwickelt. Diesmal ging es mehr um die Zusammenarbeit und, dass die Chance bekommt, seine Ideen zur Sprache zu bringen.

Fragt man ihn, dann haben sich Mamas Gun von Album zu Album weiterentwickelt: „Das erste war ein klassisches Debütalbum, an dessen Songs man sein ganzes Leben geschrieben hat. Manche trägt man schon seit Jahren mit sich herum, und man will sie alle umsetzen, also packt man alles, inklusive der Kitchen-­‐Sink-­‐Nummer hinein“, lacht er. „Es ist eine Collage aus Samples und live eingespielten Parts, und es hat eine Naivität und Frische, die nur schwer zu wiederholen ist.“ Er fährt fort: „Beim zweiten Album ha>en wir schon live gespielt und wollten diesen Live-­‐Sound einfangen. Es hat definiav eine gewisse 70er-­‐Ästheak, mit seinen fe>en, trockenen, heavy Snare-­‐Drums und den für diese Ära typischen Akkordfolgen. Mein Lieblingssong darauf ist „The Art“.

Die Band ist sich einig darin, dass der Sound dieses Tracks — man stelle sich eine Stevie-­‐Wonder-­‐Ballade von 1973 mit Streichern von George Maran vor — Mamas Gun auf den Punkt bringt, wie bis dahin kein anderer Song. „Das war die Idee dabei“, sagt Andy, „denn das ist es, was uns am meisten begeistert: Das prägnante Songwriang des Pop mit der Leidenschab des Soul zu verbinden.”

Während gerade der Fokus voll und ganz auf Mamas Gun liegt, finden die Jungs zwischen den Alben immer noch Zeit für andere Dinge. Andy betreibt ein Nebenprojekt in den USA, eine Psychedelic-­‐Soul-­‐Band namens Young Gun Silver Fox, und arbeitet als Songwriter und Musiker nicht nur mit Künstlern aus Europa und Großbritannien, sondern auch den Mamas-­Gun-Hochburgen Japan und Korea. Jack hat unterdessen mit Pharrell Williams an Beyonces „Green Light“ gearbeitert, Terry in den USA mit Soul‐Legende Leon Ware gespielt und Dave war als Musical Director für Lisa Stansfield täag, die begeisterter Fan von briaschem Soul ist.

Auf ihrem eigenen Label Candelion veröffentlicht (vertrieben von Universal und an Myriaden von Labels rund um den Globus lizensiert), wurde Cheap Hotel von Julian Simmons produziert, der auch für die ersten drei Alben von Ed Sheeran verantwortlich zeichnet. Engineer war Jon Kelly, der bei Geoff Emerick, dem Engineer der Beatles gelernt hat und auch an den ersten drei Alben von Kate Bush mitgearbeitet hat. „Er ist ein fantasascher Engineer“, lobt ihn die Band. „Er hat geholfen, den Sound von Cheap Hotel auf den Punkt zu bringen und Julians Produkaon mit Leben zu füllen.“ Er verrät, dass die Band im Vorfeld der Produkaon „einen Haufen unterschiedlichster Musik gehört hat, darunter die naheliegen Soul-­‐Referenzen, aber auch von ganz anderen Sachen inspirierte wurde, wie etwa Prince, Talking Heads, The Beatles, Bowie… Es sind einige recht unkonvenaonelle Einflüsse in die Produkaon eingeflossen. Wir alle bringen eine Menge mit ein, und was davon hängenbleibt, bleibt eben hängen.“

Man hört Cheap Hotel diese zahllosen Einflüsse an: Hier eine Strophe, die an Hall & Oats erinnert, da ein Chorus der nach ELO klingt; ein Hauch Prince und eine gesunde Dosis Stevie Wonder. Andy erklärt, woher der Titeltrack und der Albumatel kommen: „Es war der Track, den wir alle schillernd genug fanden, und von dem wir überzeugt waren, dass er auch auf den Rest des Albums neugierig macht. Der Song handelt von einem Hotel in Amsterdam, wo ich übernachtet habe, als ich mit einem niederländischen Künstler Songs geschrieben habe. Es war wirklich das absolute Klischee: Im Zimmer links von mir hatte eine der vielen Nutten dort höllisch lauten Sex, recht schrien zwei Babys um die We>e. Überall waren Fliegen und Dreck. Es war grauenhab, also haben wir es in einem humorisaschen Song verarbeitet. Was die Musik betriy, geht es ganz bewusst Richtung Prince — wir haben keine Scheu, uns vor der Musik zu verneigen, die uns begeistert oder unsere Einflüsse offen zu zeigen.“

Die erste Single „Red Cassette“ erinnert an die Isley Brothers auf Harvest For The World, während die Strophe schon mit Manfred Manns „Blinded By The Light“ von 1976 verglichen wurde. Cheap Hotel ist voller Songs, die klingen, als könnten sie im langen, heißen Sommer dieses Jahres Hits gewesen sein. Das Album ist ein wenig wie die

„So waren die 70er“-­‐Compilaaons, nur eben heute aufgenommen, mit State-­of‐the‐art-­Equipment: Nostalgie, gefiltert durch die neueste Technologie. “Der Song handelt davon, wie ich mit 8 oder 9 Jahren meine Hifi‐Anlage umgemodelt habe um selbst darüber zu singen und eigene Radiosendungen zu moderieren, die ich auf Kassette aufgenommen habe“, erinnert er sich. „Es ist ein Song über die Kindheit und die Musik meiner Jugend; eine nachdenkliche Betrachtung der Zeit, in der alles anfing.“

„Burn and Fade“ dreht sich um Erinnerung und Verlust. Und die verjüngende Krab der Musik. Es ist von einem YouTube-­‐Clip über Rentner in einem Altersheim inspiriert. „Die waren quasi Gemüse“, erzählt Andy. „Und dann haben sie ihnen Kopzörer aufgesetzt und ihnen die Musik ihrer Kindheit vorgespielt. Sie veränderten sich völlig, waren urplötzlich wieder von Leben erfüllt. Es war fantasasch, zu sehen, wozu Musik fähig ist. Der Song ist darüber, wie sich manche Dinge — zum Beispiel die Musik, die wir lieben — unauslöschlich in unser Unterbewusstsein eingraben.“

„Hello Goodnight“ ist ein herrliches Stück spritziger Pop über eine Freundin von Andy, die über Jahre ein Date nach dem anderen aber absolut keinen Erfolg damit ha>e, obwohl sie die liebenswerteste Person der Welt ist: „Sie triy sich mit Männer und die sagen mehr oder weniger wörtlich „Hello Goodnight!“ zu ihr.

Sie ist wirklich hübsch, wirklich intelligent, aber sie sucht sich immer die falschen Typen aus. Nein, sie weiß nicht, dass der Song von ihr handelt!“

Auch Jessie J weiß nicht, dass der nächste Song, „Jessie“, mit ihr zu tun hat oder zumindest von einer Fernsehsendung inspiriert wurde, in der sie aubrat. In ihm geht es um Realty-­TV-­Shows, in denen Nachwuchskünstlern die ganze Welt versprochen wird, nur um sie dann in der Versenkung verschwinden zu lassen, wenn die Show zu ende ist. „Gut möglich, dass sie eigentlich ein nachdenklicher und großherziger Mensch ist“, sagt Andy über die Fernsehjurorin, der die Nummer ihren Titel zu verdanken hat. „Der Song ist eine Metapher für all diese Kids, die sich nie den Arsch abgespielt haben bevor sie mir nichts, dir nichts in diese unglaublich populäre TV-­Show katapulaert werden und das Phänomen, dass man nie wieder was von ihnen hört, wenn sie auf der anderen Seite wieder ausgespuckt werden.“

„Love Logic“ ist ein wundervoll dahinfließender, Mid-­Tempo-­Funktrack, über die Unlogik der Liebe, während „Midas Touch“ ein treffendes Portrait des ausschweifenden Rock’n’Rollers. Inspiriert von Keith Richards im Speziellen und dem Hedonismus der 70er im Allgemeinen. Es ist eine weitere Metapher, diesmal eine dafür, „das Leben in vollen Zügen zu genießen“. „People On The Run“ wirb einen kriaschen Blick auf die Wochenend‐Plünderer, die sich 2011 an den Riots beteiligten, ohne dort wirklich etwas zu suchen zu haben. „Da wimmelte es von diesen Mi>elklasse-­‐ Kids, die bloß zum Plündern dabei waren“, erläutert Andy. „Das waren Trittbrettfahrer, denen es um nichts anderes als Party und Selfies ging.“

„On and On“ ist die metaphysische Seite von Cheap Hotel und themaasiert die „unendliche Natur aller Dinge“, aber wenn man will, kann man sich auch einfach an der großaragen Melodie erfreuen oder zu dem unwiderstehlichen Rhythmus des Songs tanzen. „Siamese Jackson“ ist etwas abgedrehter, wenn auch genau so mitreißend wie der Rest: „Es geht darum, wie wohl ein Hybride aus Samuel L Jackson und Michael Jackson aussähe! Der Song ist einfach nur witzig.“ „Joy Rides“ erzählt davon „jegliche Vorsicht in de Wind zu schießen — etwas, was man hin und wieder einfach mal tun sollte. Ich kenne zu viele ängstliche Leute, bei denen es immer bloß heißt: Ich weiß nicht, ich bin mir da nicht sicher… Wir sollten viel angs}reier sein. Meistens bin ich das auch, aber den Rest der Zeit mache auch ich mir zu viele Sorgen.“

Zusammenfassend sagt Andy über Cheap Hotel: „Ich schätze, das ist unsere Coming-­of-­age-­Platte. Wir waren uns alle einig, dass wir uns diesmal Zeit nehmen wollten, jedes Riff auf den Prüfstand zu stellen, jeden Melodiefetzen, jeden Akkordwechsel und eigentlich jede Song, den einer von uns zur Debatte stellte. Es war ein sehr demokraascher Prozess.“ Was dabei herauskam, war die Entscheidung, Uptempo‐Melodieseeligkeit mit nachdenklichen Lyrics zu verbinden. „Ein Kunstgriff, den ich einfach liebe“, sagt er schließlich, und unterstreicht damit seine Leidenschab für melodischen Pop, der eine aefsinnige Botschab transporaert. „Das ist ein großarages Vehikel, um traurige oder beängsagende Dinge anzusprechen.“ Letztendlich geht natürlich darum, den Hörer an den Ohren zu packen. „Es ist definiav ein Pop-­Album“, betont Andy. Und ein brillantes noch dazu.

Admiral Fallow im September 2015 in Köln

Als bescheidene Glasgower Band zuckt ADMIRAL FALLOW vermutlich kollektiv zusammen, wenn sie mit Lob für ihr außergewöhnliches drittes Album „Tiny Rewards“ überschüttet werden. Die Beschreibungen ‚herzzerbrechend schön‘, ‚musikalisch kühn‘ und ‚lyrisch verzaubernd‘ würde das Quintett wohl eher ablehnen und die Platte als ein Dutzend Songs bezeichnen, die aus einem 18 Monate langem Experiment, etwas anderes zu probieren, hervorgegangen sind. Nach zwei Alben dachten die Schotten, dass es einige Aspekte ihres Sounds gab, die sie besser umschiffen sollten – akustische Gitarren zum Beispiel. Und so begann die Band, deren Musik früher als Indie-Folk oder Nu-Folk oder Folk-Rock kategorisiert wurde, ihren Weg zu den neuen Songs und nahm sich erstmals richtig Zeit, um Ideen auszutauschen und herumzuprobieren. Und so ist „Tiny Rewards“ ganz anders geworden als alles, was man von ADMIRAL FALLOW sonst kannte, aber nicht weniger bewegend, eigentümlich und wunderbar. Und wenn die Fünf im Herbst auf Tour gehen, bringen sie ohnehin ihre jahrelange Konzerterfahrung mit. Auch wenn ADMIRAL FALLOW sich eine längere Auszeit von der Bühne genommen haben, um konkreter und präziser am neuen Werk zu arbeiten, sind sie live immer noch mindestens genauso bezaubernd und bescheiden wie eh und je.

Lady Lamb im September 2015 in Köln

Foto: Shervin Lainez

Hinter Lady Lamb steckt die von der Ostküste kommende, inzwischen in Brooklyn lebende Songwriterin Aly Spaltro, die Mitte Juni ihr zweites Album "After" veröffentlichen und im September auf Tournee kommen wird.

Bereits das Debüt der jungen Musikerin „Ripely Pine“ wurde in der Fachpresse hochgelobt (damals firmierte sie noch als Lady Lamb The Beekeeper), mit „After“ sollte sich ihr Ruhm - wie die ersten begeisterten Rezensionen zeigen - noch steigern.

Spaltros Jugendjahre waren geprägt von Veränderungen; alle drei Jahre zog sie in neue Häuser, andere Städte oder andere Länder, bis sie schließlich in dem Heimatstaat ihrer Familie, in Maine landete. Dort entdeckte die Musikerin inmitten tausender Filme ihre Stimme bei „Bar & Greg’s DVD Explosions“, einem unabhängigen DVD-Shop in der kleinen Küstenstadt Brunswick. Tagsüber verlieh Spaltro Filme und nachts nach Ladenschluss zog sie ihren 8-Track Recorder heraus und komponierte Songs, völlig unbeeinflusst von jeglicher musikalischer Konvention. Sie lernte zu singen und spielen und sich währenddessen selbst aufzuzeichnen. So brachte sie es zu fast einhundert Aufnahmen, von denen es 12 sorgfältig ausgewählte Songs auf das 2013 veröffentlichte Debut schafften.

„Ripely Pine“ erntete Lob für seine lyrische Komplexität, die gefühlvollen Vocals und oft auch unvorhersehbares musikalisches Geschick. Zwischen den Tourneen kehrte Lady Lamb in ihre Heimat zurück, um an den Songs für "After" zu arbeiten. Die neuen Werke, die von Spaltro’s „Ripley Pine“-Partner Nadim Issa in seinem Studio in Brooklyn „Let `Em in“ co-produziert wurden, sind noch lebendiger, mit bewusstem Einsatz von Entschlossenheit und Optimismus. Thematisch gesehen liefern sie direkte Einblicke in Spaltros Vorstellungen von Sterblichkeit, Familie, Freundschaft und dem Erwachsenwerden.

Herausgekommen sind 12 Indie-Pop-Juwelen, die Rock und Grunge ebenso streifen wie Anti-Folk und Alternative-Folk. Verzerrte Gitarren, die über fein ziselierte Melodien fetzen, dazu eine sehr starke, in den Vordergrund geschobene, ausdrucksstarke Stimme, die mal haucht, mal röhrt. Wer zur Musik vom Lady Lamb Schubladen möchte: PJ Harvey oder Courtney Barnett fallen einem ein, mal darf man eine Nähe zu Arcade Fire heraushören, mal auch Post-Wave oder so etwas wie Shoegaze entdecken.


SOAK. im September 2015 in Köln

Die 18-jährige irische Sängerin, Gitarristin und Multi-Instrumentalistin Bridie Monds-Watson alias SOAK griff vor gerade einmal vier Jahren erstmals zur Gitarre – und gilt gegenwärtig als eine der großen neuen Hoffnungen der akustischen Musik in Großbritannien. Mit ihrer brüchigen Stimme performt sie tiefschürfende Gedichte, die sie in ein eigenwilliges Klangbett gießt. Das beweist bereits ihr Künstlername SOAK, ein Zusammenschluss aus 'Soul' und 'Folk' – und selbst diese Genre-Bezeichnungen geben ihren außergewöhnlichen Stil nur unzureichend wieder. Nach einer ersten EP veröffentlichte sie auf dem Label der befreundeten Band Chvurches ihre erste offizielle EP „Blud“, die in England überwältigende Kritiken erhielt. Nun erschien ihr heiß erwartetes Debütalbum „Before We Forgot How To Dream“. Damit im Gepäck kommt SOAK zwischen dem 28.September und 13. Oktober auf ihrer ersten Deutschland-Tournee für fünf Konzerte in Frankfurt, Köln, Hamburg, Berlin und München zu uns.

Musik sei, so berichtete die aus dem irischen Derry stammende Bridie Monds-Watson in einem ihrer Interviews, anfangs nichts weiter gewesen als ein Vehikel, um ihre lyrischen Gedanken in konkretere Formen zu bringen. Ihre ersten Gehversuche auf der Bühne unternahm sie mit einer – wie sie sagt – „eher miesen Band“, bevor sie sich dazu entschied, ihre Musik allein aufzunehmen und live zu performen. Bereits ein Jahr nachdem sie mit dem Gitarrespielen begonnen hatte, blickte sie auf eine gewisse lokale Berühmtheit – ihre intimen Shows wurden beschrieben als äußerst eindringliche, berührende Momente, die Einsicht in Gedanken und Emotionen eines reflektierten Teenagers erlauben.

Eine erste, selbst aufgenommene EP mit dem Titel „Sea Creatures“ fand viel Anklang auf YouTube und Soundcloud. So wurde die Band Chvrches auf SOAK aufmerksam und ermöglichte ihr, mit „Blud“ ihre offizielle Debüt-EP zu veröffentlichen. Auch auf dieser Platte spielte sie alle Instrumente selbst ein – obschon sie sich nicht als Multi-Instrumentalistin verstanden wissen möchte: „Ich spiele nur mit den Instrumenten herum. Dass ich sie wirklich beherrschen würde, kann man nun nicht behaupten“, meint die fröhliche 18-Jährige lachend, die dazu auch anmerkt, dass sie weitaus glücklicher sei, als es ihre häufig traurigen Texte vermuten ließen.

Seit der Veröffentlichung von „Blud“ ist das Feuilleton der arrivierten britischen Tageszeitungen voll des Lobes für SOAK. Der Guardian etwa beschrieb ihre Musik als einen „jungen Paul Brady, der in der Tonlage von Joni Mitchell das Tagebuch der Anne Frank singt“, während der Telegraph ihre Musik bereits mit Größen wie „Cat Power im Chillwave-Feeling von Bands wie Beach House und Best Coast“ verglich. Zudem wirke sie wie eine „schwer zu beeindruckende Version von Ellen Page im Coming-of-Age-Film ‚Juno‘“. SOAK erklärt, ihre größten Einflüsse fänden sich zwischen Abba und Pink Floyd, und dass sie keine Ahnung habe, wie man ihre Musik kategorisieren könne: „Ich habe keine Idee, in welches Genre ich passe. Was ich tue, ist schon ein wenig schräg, ebenso sehr Alternative wie Folk.“

Spannend war, welchen Sound sie sich für ihr Debütalbum „Before We Forgot How To Dream“ ausgesucht hat. Darauf bestätigt sie den ersten Eindruck, dass sie eine herausragend musikalische, ebenso ätherisch wie selbstbewusst agierende junge Künstlerin zwischen Poesie und hinreißenden Songs ist. Das Album ist damit ein klares Indiz dafür, dass SOAK eine große Karriere in diesem Jahr bevorsteht. Übrigens: Wer sich aktuell auf der Mailing List ihrer Homepage einträgt, bekommt von SOAK eine hinreißende Coverversion des St. Vincent-Songs „Digital Witness“ geschenkt.

UFO im Oktober 2015 in Köln

Man muss die Sache zwar nicht unbedingt höher hängen, als sie möglicherweise ist, aber sie sollte zumindest nicht unerwähnt bleiben: Eine der britischsten Rockbands der Musikgeschichte hat erstmals seit über 20 Jahren wieder ein Studioalbum in ihrer Heimat England aufgenommen. Das Werk heißt A Conspiracy Of Stars, stammt von der Rocklegende UFO und atmet textlich und stilistisch exakt jene englische Souveränität, für die diese Band seit mehr als 45 Jahren bekannt ist. Ein starkes Stück Musik, das sich über elf neue Songs erstreckt und all das in sich vereint, wofür die Gruppe um Frontmann Phil Mogg steht: kernige Riffs, markante Hooks, abwechslungsreiches Songwriting, intelligente Texte und eine generell abgeklärte Grundhaltung, wie man sie seit je her von UFO kennt. Die Tatsache, dass A Conspiracy Of Stars von Chris Tsangarides (Judas Priest, Thin Lizzy, Gary Moore, u.a.) produziert und gemischt wurde, kann man zudem als weiteres entscheidendes Mosaikteilchen einer in sich stimmigen Veröffentlichung betrachten. Kurz um: Mit der insgesamt 22. Studioscheibe ihrer Karriere zeigen UFO, wie man Vergangenheit und Gegenwart zu einer homogenen Einheit verschmilzt.

Auf A Conspiracy Of Stars stellen UFO erstmals auch ihre aktuelle Besetzung vor: Neben den Originalmitgliedern Phil Mogg (Gesang), Paul Raymond (Keyboards, Gitarre) und Andy Parker (Schlagzeug) sowie dem bereits seit 2004 fest zur Gruppe zählenden Leadgitarristen Vinnie Moore gehört seit 2012 auch der amerikanische Bassist Rob De Luca zur Band. De Luca ist nicht nur ein glänzender Instrumentalist, sondern hat auch als Songschreiber gleich zwei Stücke zum neuen Album beigesteuert. Der Großteil des neuen Materials stammt von Vinnie Moore, zudem gibt es auch einen Song von Paul Raymond sowie eine Kooperation zwischen Raymond und De Luca. Sämtliche Texte wurden wie immer von Frontmann Phil Mogg verfasst.

Apropos: Auch diesmal wieder beweist Mogg seine Fähigkeiten als präziser Beobachter der menschlichen Spezies. Der Brite ist trotz seiner Ausnahmestellung im internationalen Rock´n`Roll-Business ein Mann des Volkes geblieben. Mogg sympathisiert mit der Arbeiterschicht Englands, hier sind seine Wurzeln, zu diesen Menschen fühlt sich der UFOSänger nach wie vor hingezogen. Man hört diese Herkunft in seinen Songs, seinen Texten, die bei allem Wortwitz und bewusster Doppeldeutigkeit stets seine unbedingte Bodenhaftung aufzeigen. Und dabei so manch wunderbar poetische Formulierung in sich tragen: „The scatter rollers coming down, summers been and turned around, it don`t seem so long ago, that you were my precious cargo”, singt er in ´Precious Cargo`, einer ähnlich feinsinnigen Liebeserklärung wie die in der Nummer ´Killing Kind`, in der Mogg mit den Worten beginnt: „Tell a story about love and what lovers find, a story of possession, the killing kind.” Bei so viel sprachlicher Ästhetik ist es kein Wunder, dass der UFO-Sänger für seine einfühlsame und sorgsam abgestimmte Wortwahl in aller Welt geliebt wird.

Entstanden sind Texte und Musik zu A Conspiracy Of Stars im Sommer 2014. Mitte August traf sich die Band zu den Proben im ´Barn Room Studio` in der Grafschaft Kent.

Anschließend wechselten UFO ein paar Meilen weiter östlich in das ´Ecology Rooms Studio` von Chris Tsangarides, um dort mit dem griechisch-britischen Toningenieur von Ende August bis Mitte September die neue Scheibe aufzunehmen.

Slaves im November 2015 in Köln

In Zeiten, in denen der ursprünglich stark politisch und gesellschaftlich geprägte Punk immer mehr zum Pop- und Mode-Phänomen wird, ist die kantige und angriffslustige Inkarnation dieses Stils, den die Slaves anbieten, eine regelrechte Wohltat. Für das Duo bedeutet Punkmusik eine Rückkehr zu den Wurzeln des Genres, zu kurzen, knackigen Songs mit hymnischen Refrains und gesellschaftlich bedeutenden Inhalten. 2012 gegründet, konnten die Slaves aus Turnbridge Wells in der Grafschaft Kent zügig zahlreiche prominente Freunde gewinnen, darunter Jamie T und Interpol, die das Duo mit auf Tournee nahmen, oder The Libertines, mit denen die Slaves im Juli die Konzertbühnen teilen. Die Band, die auch auf der bedeutenden Liste „BBC Sound of 2015“ notiert war und bereits viele exklusive Radio-Sessions absolvierte, wird nach drei vielbeachteten Singles und einer ersten EP am 29. Mai ihr Debütalbum „Are You Satisfied?“ veröffentlichen. Im November kommen sie für ihre ersten beiden deutschen Clubshows nach Berlin und Köln.

Die Nation ist im Eimer – aber Hauptsache, wir sind bereit für die nächste Party: Unter diesem durchaus sarkastisch zu verstehenden Motto stehen viele der lyrischen Ansätze in den pointierten Songs der Slaves. Mit einem feinen Sinn für britisch-schwarzen Humor nehmen sie sich selbst von dieser Oberflächlichkeit nicht aus, sondern betrachten sich als Teil dieser Kultur – um sie von innen heraus zu sezieren. Dies aber nicht mit dem für Polit-Punk sonst gewohnten erhobenen Zeigefinger, sondern mit einer Cleverness und subtilen Angriffslust, die sich im Songwriting in gleicher Weise widerspiegelt. Mit dem Fazit: Dass Punk zu Pop wurde, lässt sich nicht mehr ändern. Dass dieser neue Pop aber gehaltlos ist, durchaus. Und ja: Man darf ruhig die Hüften bewegen und eine gute Zeit haben, muss deswegen das Nachdenken aber nicht völlig einstellen. Slaves machen damit eben zeitgemäßen Gesellschafts- statt Polit-Punk.

Es dürfte Laurie Vincent (Gitarre/Gesang) und Isaac Holman (Drums, Gesang) bei ihrer Suche nach dem optimalen Ansatz zwischen Popkultur, Gesellschaftskritik und einem ureigenen Indie-Gefühl sicher geholfen haben, dass jene abseits der großen Hipster-Zentren wie London oder Manchester geschah. Ganz auf sich selbst gestellt, konnten sie unbeeinflusst von jeder Szene ein eigenes Konzept entwickeln, das sich als ebenso kommerziell wie gesellschaftlich tragfähig erweist. Wie sehr, zeigte das Feedback auf ihre ersten Songs.

So etwa im Rahmen der ‚NME Awards Tour‘, wo sie allabendlich zu den Abräumern des Billings zählten. Oder während ihrer Radio-Show bei BBC-Legende Huw Stevens, wo sie mit einer Coverversion des LCD Soundsystem-Tracks „Daft Punk Is Playing At My House“ demonstrierten, dass sie sich auch in popkulturellen Strömungen zu Hause fühlen. Oder, als sie als blutjunge Newcomer in die renommierte Show „Later... With Jools Holland“ eingeladen wurden und gestandene Kollegen mit ihrem brodelnden Sound locker an die Wand spielten.

Laurie Vincent erklärt: „Was für einen Grund sollte es geben, eine Show zu spielen, wenn nicht den, dass man bei jedem Zuschauer einen bleibenden Eindruck hinterlässt?“ Das gelingt ihnen in Reihe und dürfte ab dem 29. Mai umso nachhaltiger wirken, wenn das langerwartete Debütalbum „Are You Satisfied?“ erscheint. Auf diesem Werk geht es wüst und ungezügelt zu, ein schwarzhumoriges, angriffslustiges Biest von einer Platte, das Europa und all seine Indie-Rock-Fans ohne Zweifel die zweite Jahreshälfte begleiten wird.

Rhonda im Dezember 2015 in Köln

Ach, was waren das schöne Zeiten damals: Star Club und Indra in Hamburg, der Cavern in Liverpool, lässige Beat-Musik allerorten. Die einen hörten die amerikanischen Soul-Vorkämpfer Marvin Gaye und Curtis Mayfield, die anderen groovten zu den ersten großen Beat-Bands aus England. Gemeinsam traf man sich in Kellerclubs und lebte den Moment. Alle trugen schlaksige Tuchhosen, coole Pluder- Hemden, freche Frisuren und spitze Lederstiefel. Das Gefühl einer ganzen Generation spiegelte sich in dieser neuen Musik, in der Rock’n’Roll, Soul und lässige Rhythmen auf klirrende Eck-Eck-Gitarren und brodelnde Orgeln trafen. Vorbei die Zeit? Von wegen! Mehr denn ja kehrt sie zurück – und wo sollte sie wohl wiederbelebt werden, wenn nicht in Hamburg!

Das Quintett Rhonda gründete sich zwar erst im Mai 2012, doch schon jetzt zeichnet sich ihr beachtlicher Aufstieg in einer Weise ab, der insbesondere deutschen Bands nur selten zuteil wird. Alle fünf Musiker – Milo Milone (Vocals), Ben Schadow (Gitarre), Jan Fabricius (Bass), Offer Stock (Orgel) und Gunnar Riedel (Drums) – sind keine Greenhorns und spielten zuvor bereits in recht bekannten Indie-Bands wie den Trashmonkeys und anderen. Doch erst mit Rhonda finden sie nun ihre wahre Bestimmung: Ein frischer, Retro-orientierter, deshalb aber keineswegs angestaubter Vintage-Sound zwischen Dusty Springfield und Amy Winehouse, den Ronettes und Duffy, den Detroit Cobras und Adele, mit Melodien zum Verlieben und einer lächelnden Lässigkeit, die Menschen unmittelbar tanzen lässt. Und das schon jetzt europaweit.

Gerade eine einzige 7-Inch-Single hatten Rhonda veröffentlicht, da kamen die ersten Tournee- Anfragen aus dem Northern Soul-verliebten Vereinigten Königreich. Rhonda spielten zwei Club- Touren auf der Insel, gaben Gastspiele auf zahlreichen Open Airs wie dem Int. Pop Overthrow Festival und dem Great Escape Festival – und fanden mit jedem Konzert neue Freunde. Teils auch prominente: So nahmen die Hamburger Postpunker Turbostaat die junge Band mit auf Tour, sie spielten zahlreiche Konzerte mit Lucius und wurden nun kürzlich vom Mod-Vater himself, Paul Weller, zu dessen anstehenden deutschen Sommer-Konzerten eingeladen. Viel Ehre für eine Band, die gerade erst in den Startlöchern steht.

Rund um all diese Konzerte finanzierten sie, nachdem sie die Debüt-Single auf Shows restlos ausverkauft hatten, eine zweite Single via Crowdfunding und verschenkten an die Unterstützer so hübsche Gadgets wie von Milo selbstgebackenen Apfelkuchen oder signierte Vintage-Plattenspieler. Auch diese zweite Single zeigte, wohin die Reise geht: Eine Revitalisierung der 60s-Lässigkeit in Songwriting, Produktion und Feeling, bei der jeder Song ein echter Hit ist und unglaublich souverän auf den Punkt kommt. Anfang dieses Jahres gingen sie sodann mit dem Produzenten Gregor Hennig ins legendäre Studio Nord in Bremen, wo die elf Songs des Debütalbums entstanden. Mit grandiosem Gespür für die Klangästhetik der 60er, behutsam modernisiert und in die Jetztzeit getragen, schubbern die Songs mit einer Nonchalance und Brillanz aus den Boxen, das Herz, Kopf und Becken gleichzeitig zu wippen, nicken und lieben beginnen.

Man höre nur die erste Single „Camera“, ein unaufdringlich dringlicher Song, der an reduzierte Film Noir-Zitate ebenso erinnert wie an Petticoats und Schmalztollen. Spätestens im dezent melancholisch angehauchten Refrain ist es dann um jeden geschehen: So schön sehnte kein Soulsong mehr, seit Adele ihr Debütalbum aufnahm. Und so geht es weiter auf dem Album: „Sound of Soda“ stürmt und drückt mit breit angelegten Orgeln und funky Drums nach vorne wie ein frisch geschlüpfter Hundewelpe; das Funk-Biest „Take It Back“ mit seinen rollenden Grooves und dem sofort zündenden Refrain versetzt einen unmittelbar in ein kalifornisches Sommer-Feeling und brennt einem das Lächeln ins Gesicht; „Bruno“ überrascht mit ungehörig pfiffiger Ska-Rhythmik und saucoolem zweistimmigem Gesang; „Here We Go Again“ nähert sich dem rasanten Rock’n’Soul an, dass man einfach nur noch dazu hüpfen möchte; „That’s How I Roll“ ist eine brillante Soul-Ballade alter Schule, auf die die Supremes mächtig stolz gewesen wären. Kurz: Jeder einzelne Song ist ein Brecher voller Lebensfreude und künstlerischer Kraft, der den Vibe der Sixties lebt und diesen in die Postmoderne transportiert. Wenn im Juli das Album erscheint, dürfte es damit nicht mehr allzu weit sein zur absoluten SommerSensation. Be Prepared!

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